Ärztin: "Gibt es die Kugelschreiber von der Klinik eigentlich irgendwo zu erwerben? Viele Patienten haben schon gefragt."
Chefarzt 1: "Ja, bei mir, für 6€ das Stück."
Psychotherapeutin: "SECHS Euro...interessanter Betrag."
Chefarzt 1 (nach etwas Überlegen): "Jeder hat seine eigenen Assoziationen."
Psychotherapeutin: "Da haben sie aber lange für gebraucht."
Chefarzt 2 (circa 60 Jahre alt): "Ich habe das noch immer nicht verstanden."
Psychotherapeut (zu mir): "Das mit dem Alter verkneife ich mir jetzt lieber..."
Ach ja, Teamsitzungen sind schön.
Freitag, 1. März 2013
Dienstag, 26. Februar 2013
Das Fitnessstudio an sich
Prolog
Nachdem ich mühsam alle nötigen Utensilien - Sportschuhe, Unterwäsche, Shirt, Jogginghose, Sportshirt, Sporthose, Mitgliedskarte, Wasserflasche, Schloss für den Spint, Sporttasche, Handtücher, Kopfhörer *an dieser Stelle habe ich circa 30 Minuten pausiert, ADS lässt grüßen* - mühsamm zusammen gesucht habe, begebe ich mich auf den Weg zum nahegelegenen Fitnessstudio mit drei "s".
Dort angekommen checke ich ein, ziehe mich um und gehe in die heiligen Hallen des Schweißes, der Minderwertigkeitskomplexe und des Testosterons. Es ist wirklich nur eine Halle mit einer Vielzahl an mehr oder weniger systematisch angeordneten Geräten. Erstmal gemütlich auf den Stepper. Der steht an der Wand zum Raum mit den restlichen Geräten hin ausgerichtet, von da kann man am besten Menschen beobachten.
Log
Man hat einen guten Überblick über den gesamtem Raum. An der gegenüberliegenden Seite der Halle prangt ein riesiges Bild an der Wand mit drei Frauen, die gerade anscheinend höchsten Genuss an einer Zumba-Bewegung finden, bei der sie breitbeinig stehen und ihren Oberkörper mitsamt Armen nach links bewegen. Links im Cardio-Bereich fahren ein paar Leute Rad oder sind auf dem Laufband. Es fasziniert mich ja immer wieder, wie lange die das auf den Teilen aushalten. Wäre mir viel zu monoton, auf der Stelle laufen, immer dieser Blick vom Laufwand aus der Glasscheibe auf den unbeleuchteten Parkplatz. Sogar wenn ich die wunderschöne Landschaft des Niederrheins um mich herum habe, langweile ich mich nach spätestens 30 Minuten (reoccuring theme ftw).
Auf einem der "Räder" sitzt ein stark übergewichtiges Mädchen. Sie tut einem ein bisschen Leid, weil man sich schon vorstellen kann, dass sie es im Alltag nicht leicht hat. Und dass sich das wohl auch nicht ändern wird, da sie ihr Essverhalten nicht umstellen und in zwei Wochen aus Disziplinmangel nicht mehr hier sein wird.
Ein dicker Kerl läuft vor dem Stepper vorbei, zielgerichtet aber doch sehr unsicher. Er tut einem ein bisschen Leid, weil sich einem seine Gedanken förmlich aufdrängen. So viel Angst und Unsicherheit, so ein schlechtes Selbstbild. Hübsch ist er nicht, aber vielleicht ein cooler Typ. Das scheint den Menschen allerdings egal zu sein. Gut, die beste Therapie gegen Ansgt, ist sich, ihr auszusetzen. Man kann seiner Gesundheit wegen nur hoffen, dass er bleibt.
Verschwitzt stehen weiter hinten, im Hantelbereich, schon die üblichen Verdächtigen. Es sind diese Leute, die man jedes mal, wenn man hier ist, sieht. Der schmächtige Kerl, der unbedingt Masse aufbauen will und das auf welche Weise auch immer bereits geschafft hat. Der breitgebaute Typ, der bestimmt nicht all sein Muskelvolumen ohne Hilfsmittel aufgebaut hat. Sie tun einem ein bisschen Leid, weil man merkt, wie hoch der Druck ist, der auf sie wirkt. Seien es eingebildete soziale Normen, Ansprüche an sich selber aufgrund von Minderwertgkeitsgefühlen oder sonst etwas.
Die Gruppe von Türken, die zwar zu fünft gekommen sind, aber immer nur einem von sich dabei zugucken, wie er sich an großen Gewichten versucht, steht mittendrin. Natürlich muss jeder in der Gruppe der härteste Pumper sein. Der Starke ist beliebt, der Schwache wird belächelt. Neben der Gruppe steht ein Angestellter des Fitnessstudios mit zwei "s". Er tut einem ein bisschen Leid, weil man die Krankhaftigkeit, mit der er seinen Körper stählert, ansieht. Er arbeitet dort, wo er seine vermeintliche Leidenschaft hat. Arbeiten im Trainingsraum oder trainieren om Trainingsraum. Ob das sein Horizont, seine Perspektive ist?
Ich stehe mittendrin. Ich möchte mich eigentlich nur etwas jenseits des Stuhls betätigen. Etwas weniger Fett, etwas mehr Muskeln, das hat noch keinem geschadet. Ich tue mir nicht Leid, weil ich ein undisziplinierter Hedonist bin, und sowieso nur so viel tun würde, wie es mir Spaß macht und guttut.
Epilog
Jetzt tue ich mir Leid. Ich habe vergessen, dass ich in 15 Minuten zum Kino verabredet bin. Schnell packe ich meine Sachen und gehe zurück in die Umkleide. Auf dem Weg quer durch die Halle, in der ich mich seit circa 2x 30 Minuten befinde, komme ich an den Laufbändern vorbei. Hier steht noch immer derselbe Typ, den ich auch schon vom Stepper aus beobachtet habe. Er läuft noch immer auf der Stelle, schweißgebadet, mit dem Rücken zur Halle, das Gesicht Richtung Glassscheibe, die den Blick auf den unbeleuchteten Parkplatz freigibt. Faszinierend.
Nachdem ich mühsam alle nötigen Utensilien - Sportschuhe, Unterwäsche, Shirt, Jogginghose, Sportshirt, Sporthose, Mitgliedskarte, Wasserflasche, Schloss für den Spint, Sporttasche, Handtücher, Kopfhörer *an dieser Stelle habe ich circa 30 Minuten pausiert, ADS lässt grüßen* - mühsamm zusammen gesucht habe, begebe ich mich auf den Weg zum nahegelegenen Fitnessstudio mit drei "s".
Dort angekommen checke ich ein, ziehe mich um und gehe in die heiligen Hallen des Schweißes, der Minderwertigkeitskomplexe und des Testosterons. Es ist wirklich nur eine Halle mit einer Vielzahl an mehr oder weniger systematisch angeordneten Geräten. Erstmal gemütlich auf den Stepper. Der steht an der Wand zum Raum mit den restlichen Geräten hin ausgerichtet, von da kann man am besten Menschen beobachten.
Log
Man hat einen guten Überblick über den gesamtem Raum. An der gegenüberliegenden Seite der Halle prangt ein riesiges Bild an der Wand mit drei Frauen, die gerade anscheinend höchsten Genuss an einer Zumba-Bewegung finden, bei der sie breitbeinig stehen und ihren Oberkörper mitsamt Armen nach links bewegen. Links im Cardio-Bereich fahren ein paar Leute Rad oder sind auf dem Laufband. Es fasziniert mich ja immer wieder, wie lange die das auf den Teilen aushalten. Wäre mir viel zu monoton, auf der Stelle laufen, immer dieser Blick vom Laufwand aus der Glasscheibe auf den unbeleuchteten Parkplatz. Sogar wenn ich die wunderschöne Landschaft des Niederrheins um mich herum habe, langweile ich mich nach spätestens 30 Minuten (reoccuring theme ftw).
Auf einem der "Räder" sitzt ein stark übergewichtiges Mädchen. Sie tut einem ein bisschen Leid, weil man sich schon vorstellen kann, dass sie es im Alltag nicht leicht hat. Und dass sich das wohl auch nicht ändern wird, da sie ihr Essverhalten nicht umstellen und in zwei Wochen aus Disziplinmangel nicht mehr hier sein wird.
Ein dicker Kerl läuft vor dem Stepper vorbei, zielgerichtet aber doch sehr unsicher. Er tut einem ein bisschen Leid, weil sich einem seine Gedanken förmlich aufdrängen. So viel Angst und Unsicherheit, so ein schlechtes Selbstbild. Hübsch ist er nicht, aber vielleicht ein cooler Typ. Das scheint den Menschen allerdings egal zu sein. Gut, die beste Therapie gegen Ansgt, ist sich, ihr auszusetzen. Man kann seiner Gesundheit wegen nur hoffen, dass er bleibt.
Verschwitzt stehen weiter hinten, im Hantelbereich, schon die üblichen Verdächtigen. Es sind diese Leute, die man jedes mal, wenn man hier ist, sieht. Der schmächtige Kerl, der unbedingt Masse aufbauen will und das auf welche Weise auch immer bereits geschafft hat. Der breitgebaute Typ, der bestimmt nicht all sein Muskelvolumen ohne Hilfsmittel aufgebaut hat. Sie tun einem ein bisschen Leid, weil man merkt, wie hoch der Druck ist, der auf sie wirkt. Seien es eingebildete soziale Normen, Ansprüche an sich selber aufgrund von Minderwertgkeitsgefühlen oder sonst etwas.
Die Gruppe von Türken, die zwar zu fünft gekommen sind, aber immer nur einem von sich dabei zugucken, wie er sich an großen Gewichten versucht, steht mittendrin. Natürlich muss jeder in der Gruppe der härteste Pumper sein. Der Starke ist beliebt, der Schwache wird belächelt. Neben der Gruppe steht ein Angestellter des Fitnessstudios mit zwei "s". Er tut einem ein bisschen Leid, weil man die Krankhaftigkeit, mit der er seinen Körper stählert, ansieht. Er arbeitet dort, wo er seine vermeintliche Leidenschaft hat. Arbeiten im Trainingsraum oder trainieren om Trainingsraum. Ob das sein Horizont, seine Perspektive ist?
Ich stehe mittendrin. Ich möchte mich eigentlich nur etwas jenseits des Stuhls betätigen. Etwas weniger Fett, etwas mehr Muskeln, das hat noch keinem geschadet. Ich tue mir nicht Leid, weil ich ein undisziplinierter Hedonist bin, und sowieso nur so viel tun würde, wie es mir Spaß macht und guttut.
Epilog
Jetzt tue ich mir Leid. Ich habe vergessen, dass ich in 15 Minuten zum Kino verabredet bin. Schnell packe ich meine Sachen und gehe zurück in die Umkleide. Auf dem Weg quer durch die Halle, in der ich mich seit circa 2x 30 Minuten befinde, komme ich an den Laufbändern vorbei. Hier steht noch immer derselbe Typ, den ich auch schon vom Stepper aus beobachtet habe. Er läuft noch immer auf der Stelle, schweißgebadet, mit dem Rücken zur Halle, das Gesicht Richtung Glassscheibe, die den Blick auf den unbeleuchteten Parkplatz freigibt. Faszinierend.
Freitag, 22. Februar 2013
Radical Honesty
Durch Mo bin ich vor einiger Zeit auf das Konzept von "Radical Honesty" aufmerksam geworden. Er hat das vermutlich bei der Serie "Lie to Me" aufgeschnappt. Kurz und knapp besagt es: sage immer die Wahrheit! Geht das überhaupt?
Die einfache Antwort: ja! Aber es ist nicht immer ratsam, dieses Konzept anzuwenden. Wenn Hitler vor einem Juden steht und ihn fragt, ob er Jude ist, wäre es evolutionär gesehen nicht sinnvoll, die Wahrheit zu sagen. Den gelben Stern sollte er natürlich auch verstecken.
Eine andere Sache ist es bei Freunden oder generell Menschen, die unser Vertrauen genießen. Hier bin ich wirklich davon überzeugt, dass man immer ehrlich sein sollte. Das ist manchmal unangenehm - sonst würde niemand lügen. Und diese unangenehmen Dinge muss man auch gar nicht unbedingt aussprechen. Ungefragt kann man sie sowieso für sich behalten und wenn man gefragt wird, muss man eben entscheiden, ob man ehrlich sein oder schweigen sollte. Man will niemanden verletzen.
In jedem Fall finde ich es Freunden gegenüber unfair, zu lügen. Sie haben die Ehrlichkeit verdient, unter anderem als Zeichen von Vertrauen. Wenn mich also meine Schwester fragt, ob ich ihr Kleid mag, bekommt sie eine brutal ehrliche Antwort, ob es mir nun gefällt oder nicht. Diese Masche, nach einer Meinung zu fragen, aber eigentlich nur Komplimente hören zu wollen, um sich besser zu fühlen, auch, wenn sie gar nicht der tatsächlichen Meinung entsprechen, sollte man bei mir also vermeiden. Das weiß meine Schwester zum Glück.
Lügen haben kurze Beine. Und sind anstrengend. Den Aufwand, den so eine Lüge erfordert, möchte ich gar nicht betreiben. Man muss viel weniger aufpassen, was man sagt, wenn man sich ohnehin sicher sein kann, dass alle die Wahrheit kennen.
Ich mache das auch, weil ich von anderen erwarte, dass sie mich genauso behandeln. Wenn ich eine Frage stelle, möchte ich eine ehrliche Antwort bekommen. Natürlich ist da nicht immer nur Positives zu holen, aber wenn ich höre, dass jemandem etwas nicht gefällt, kann ich zumindest reflektieren und entscheiden, ob ich etwas ändere. Ich gehe dann mal einkaufen, radikal ehrlich gegenüber den Leuten, die es vertragen und verdienen!
Die einfache Antwort: ja! Aber es ist nicht immer ratsam, dieses Konzept anzuwenden. Wenn Hitler vor einem Juden steht und ihn fragt, ob er Jude ist, wäre es evolutionär gesehen nicht sinnvoll, die Wahrheit zu sagen. Den gelben Stern sollte er natürlich auch verstecken.
Eine andere Sache ist es bei Freunden oder generell Menschen, die unser Vertrauen genießen. Hier bin ich wirklich davon überzeugt, dass man immer ehrlich sein sollte. Das ist manchmal unangenehm - sonst würde niemand lügen. Und diese unangenehmen Dinge muss man auch gar nicht unbedingt aussprechen. Ungefragt kann man sie sowieso für sich behalten und wenn man gefragt wird, muss man eben entscheiden, ob man ehrlich sein oder schweigen sollte. Man will niemanden verletzen.
In jedem Fall finde ich es Freunden gegenüber unfair, zu lügen. Sie haben die Ehrlichkeit verdient, unter anderem als Zeichen von Vertrauen. Wenn mich also meine Schwester fragt, ob ich ihr Kleid mag, bekommt sie eine brutal ehrliche Antwort, ob es mir nun gefällt oder nicht. Diese Masche, nach einer Meinung zu fragen, aber eigentlich nur Komplimente hören zu wollen, um sich besser zu fühlen, auch, wenn sie gar nicht der tatsächlichen Meinung entsprechen, sollte man bei mir also vermeiden. Das weiß meine Schwester zum Glück.
Lügen haben kurze Beine. Und sind anstrengend. Den Aufwand, den so eine Lüge erfordert, möchte ich gar nicht betreiben. Man muss viel weniger aufpassen, was man sagt, wenn man sich ohnehin sicher sein kann, dass alle die Wahrheit kennen.
Ich mache das auch, weil ich von anderen erwarte, dass sie mich genauso behandeln. Wenn ich eine Frage stelle, möchte ich eine ehrliche Antwort bekommen. Natürlich ist da nicht immer nur Positives zu holen, aber wenn ich höre, dass jemandem etwas nicht gefällt, kann ich zumindest reflektieren und entscheiden, ob ich etwas ändere. Ich gehe dann mal einkaufen, radikal ehrlich gegenüber den Leuten, die es vertragen und verdienen!
Sonntag, 17. Februar 2013
Der vorgezogene Sonntag
Es ist einer dieser Samstage, der sich schon wie ein Sonntag anfühlt, ohne, dass es dafür einen konkreten Grund gäbe. Vermutlich liegt das an der allgemeinen Ruhe, die dieses Wochenende auszeichnet. Keine wilden Partys, keine alkoholischen Exzesse. Gemütliches Beisammensein, reden, in Jogginghose und Bademantel vor dem Computer sitzen und neben ein paar halbherzig ausgeführten sinnvollen Tätigkeiten einfach entspannen und schauen, was der Tag so bringt. Ein gemütlicher Sonntag schon am Samstag.
Und was darf da nicht fehlen? Richtig, Kaffee und ein guter Freund. Ich bewaffne mich also mit von meiner Mutter frisch gebackenen Brownies und einem Berry Crumble (Beeren-Rhababer-Streuselkuchen) von Schomaker, einer lokalen Bio-Bäckerei, die interessanterweise sogar eine Filiale in Japan hat. Schon interessant, dass so ein kleiner Laden so weit expandiert. Passt ja gut in die gesunde Ernährung der Japaner. Die Asiaten wissen ein gutes Dinkel Mehrkornbrot eben zu schätzen, genau wie die Ruhe. Generell eine interessante Kultur. Anderes Thema.
Jacke und Mütze an, Handschuhe mit sehnsüchtigen Gedanken an den Frühling liegen lassen. Nach kurzer Radfahrt durch die Felder, auf denen der Schnee langsam taut und man schon wieder ein paar braune und dunkelgrüne Flecken erkennen kann, komme ich bei Leif an. Die Handschuhe braucht man wirklich nicht mehr. Aber kalt ist die Hand auf Leifs Nacken seiner akustischen Reaktion nach zu urteilen wohl trotzdem.
Man sitzt so mit Kaffee am Tisch und erzählt über die wichtigen und unwichtigen Themen des Lebens. Im Hintergrund läuft für das Ohr gerade noch wahrnehmbar irgendwas klassisches, vermutlich Bach oder Schubert (random guess). Hinter mir befindet sich die Schiebetür mit dem großen Fenster, das den Blick auf den kleinen aber lieblichen Garten ermöglicht. Links ist die moderne Küche mit Counter in der Mitte, Induktionsherd und Kaffeevollautomaten. Rechts sitzt Leif. Danach kommt das etwas altmodisch eingerichtete Wohnzimmer. Drei Sofas stehen dort im Viereck mit einer fehlenden Seite angeordnet neben der Musikanlage. Vor ihnen steht ein viereckiger Glastisch, dem glücklicherweise keine Seite fehlt. An der Wand fällt direkt die alte Uhr auf, oder besser gesagt, ihr überdimensional wirkendes Pendel. Das Ticken hat merkwürdigerweise eine entspannende Wirkung. Einzig das laute Knarren und Ertönen von Glockenschlägen zur vollen Stunde vermag mich kurz aus dieser ruhigen Akustikatmosphere herauszureißen. Eine kurze Erinnerung, dass es noch eine Welt gibt, die sich dreht, die man aber getrost schnell wieder vergessen kann. Ich denke an Zukunft, an Neugier, an Vorfreude, an Liebe. Denken und über das Gedachte reden, das geht so ein bis zwei Stunden, gäbe es die sich drehende Welt nicht, könnten bestimmt noch ein bis zwei weitere hinzukommen. Aber man will es mit der Ruhe und Entspannung ja nicht übertreiben.
Leif verabschiedet mich mit einer Buchempfehlung für eine lange, mir bevorstehende Zugfahrt: ein Werk des Autors Haruki Murakami aus Japan. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die dort generell eine sehr interessante Kultur haben, gesund leben und die Ruhe zu schätzen wissen.
Und was darf da nicht fehlen? Richtig, Kaffee und ein guter Freund. Ich bewaffne mich also mit von meiner Mutter frisch gebackenen Brownies und einem Berry Crumble (Beeren-Rhababer-Streuselkuchen) von Schomaker, einer lokalen Bio-Bäckerei, die interessanterweise sogar eine Filiale in Japan hat. Schon interessant, dass so ein kleiner Laden so weit expandiert. Passt ja gut in die gesunde Ernährung der Japaner. Die Asiaten wissen ein gutes Dinkel Mehrkornbrot eben zu schätzen, genau wie die Ruhe. Generell eine interessante Kultur. Anderes Thema.
Jacke und Mütze an, Handschuhe mit sehnsüchtigen Gedanken an den Frühling liegen lassen. Nach kurzer Radfahrt durch die Felder, auf denen der Schnee langsam taut und man schon wieder ein paar braune und dunkelgrüne Flecken erkennen kann, komme ich bei Leif an. Die Handschuhe braucht man wirklich nicht mehr. Aber kalt ist die Hand auf Leifs Nacken seiner akustischen Reaktion nach zu urteilen wohl trotzdem.
Man sitzt so mit Kaffee am Tisch und erzählt über die wichtigen und unwichtigen Themen des Lebens. Im Hintergrund läuft für das Ohr gerade noch wahrnehmbar irgendwas klassisches, vermutlich Bach oder Schubert (random guess). Hinter mir befindet sich die Schiebetür mit dem großen Fenster, das den Blick auf den kleinen aber lieblichen Garten ermöglicht. Links ist die moderne Küche mit Counter in der Mitte, Induktionsherd und Kaffeevollautomaten. Rechts sitzt Leif. Danach kommt das etwas altmodisch eingerichtete Wohnzimmer. Drei Sofas stehen dort im Viereck mit einer fehlenden Seite angeordnet neben der Musikanlage. Vor ihnen steht ein viereckiger Glastisch, dem glücklicherweise keine Seite fehlt. An der Wand fällt direkt die alte Uhr auf, oder besser gesagt, ihr überdimensional wirkendes Pendel. Das Ticken hat merkwürdigerweise eine entspannende Wirkung. Einzig das laute Knarren und Ertönen von Glockenschlägen zur vollen Stunde vermag mich kurz aus dieser ruhigen Akustikatmosphere herauszureißen. Eine kurze Erinnerung, dass es noch eine Welt gibt, die sich dreht, die man aber getrost schnell wieder vergessen kann. Ich denke an Zukunft, an Neugier, an Vorfreude, an Liebe. Denken und über das Gedachte reden, das geht so ein bis zwei Stunden, gäbe es die sich drehende Welt nicht, könnten bestimmt noch ein bis zwei weitere hinzukommen. Aber man will es mit der Ruhe und Entspannung ja nicht übertreiben.
Leif verabschiedet mich mit einer Buchempfehlung für eine lange, mir bevorstehende Zugfahrt: ein Werk des Autors Haruki Murakami aus Japan. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die dort generell eine sehr interessante Kultur haben, gesund leben und die Ruhe zu schätzen wissen.
Donnerstag, 31. Januar 2013
Krankenpflege
Le Till
immernoch krank du armes bubu?
Le Moi
yes
aber seit gestern mittag auf antibiotikum
so n 3 tages ding
dürfte also zum WE fit sein
Le Till
hoffen wirs
sonst musste gepflegt werden
wenn du traurig oder einsam bist-> whatsappe nur eine Nachricht und ich werde dich erheitern
natürlich nicht so sehr wie es wahrscheinlich dein rieke die ganze Zeit schon tut, aber ein wenig vielleicht
und ein wenig "anders" vielleicht auch
Le Moi
so sweet
von dir nehme ich pflegeangebote in krankenschwesteroutfit natürlich ebenfall jederzeit an
Le Till
das ist, wie ich rolle!
yeaaha inkl pumps
schön paar wochen nirgendwo rasiert
mini-röcken
*chen
und wenn ich mich bücke, um dir Tee einzugießen, baumeln meine haarigen Eier unter dem Röckchen hervor
hell yeah
währenddessen schieße ich läser aus meinen nippeln
dann zieh ich mir die gopro auf. und steig auf dein Rad
nach 10 minuten schaltest du interessiert die live übertragung auf deinen laptop an
ich bin bereits bis zur Diesterwegschule gestratzt
du siehst, wie ich das Fahrrad hinschmeiße und haltlos und mit lautem, haarigem (?) schnaufen auf den Schulhof zurenne, auf dem sich gerade eine Gruppe herumtollender und nichtsahnender Diesterwegler über die rosarote Pausenzeit freut
im Kreis stehen sie, wie die Kamillenblütenformation der Pottwale, halten ihre Smartphones in ihre Mitte, und fragen sich, wieso Hafti noch nicht auf Platz 1 in den deutschen Singlecharts ist
als plötzlich ein dumpfes knacken ertönt
*TWACK*
liveschaltung Stock: so hatte er sich das kranksein nicht vorgestellt
Stock muss so sehr lachen, dass ihm seine Brust schmerzt. "Aua, ist das gut!", jauchzt stock
während er das linke auge weinend zukneift um die lachtränen aus seiner Sicht zu schwemmen, verfolgt er mit großem Interesse der Szenerie
Indes an der Diesterwegschule:
Der helle Aufprall eines Smartphone-Displays, bei dem gerade offensichtlich das Display auf dem Betonboden des schulhofes zerbrochen ist, lässt die Köpfe der pausierenden Meute zu sich drehen
was Stock über die GoPro Helmkamera sieht, ist nicht weniger erheiternd: das dumpfe Knacken nämlich, dass kam, wie nun zu sehen ist, eindeutig von dem Aufprall eines recht großen rechten Knies auf das Jochbein des 14-jährigen Justin-Michelangelo
Sein Gesicht verformt sich in luftiger Leichtigkeit, als grübe jemand seine spielende Faust in einen klumpen Ton
doch damit nicht genug
denn das auftaktende *TWACK* war nur ein Vorbote, auf das folgende Orchester, welches durch seine bizarr anmutende rhytmik an japanische Taiko-Trommler erinnert
Ellbogen der leicht bekleideten, aber ulkigerweise männlichen Krankenschwester treffen auf Nasenbeine, bringen Augenhöhlen zum bersten, ergötzen sich an knackenden Brustbeinen
ja, diese 14-jährigen Brustbeinchen brechen mit solcher unbefangenheit, als breche man eine Rippe aus einem halben Hähnchen
währenddessen untermalen dumpfere Basstöne die Komposition
die behaarten Beine tanzen sich mit Stopkicks auf den jungen Poserbäuchlein aus
ein Hungersixpack ist eben kein trainierter Sixpack
nackte Haut wirbelt umher, dazwischen freischwingende Klöten und ein uninteressiert daherbaumelnder Penis, den der viel zu kurze Rock ohne Unterwäsche bereitwillig freigibt
die heransausenden Sirenen deuten das Ende des walkürischen Ritts an
den Satz beendet die Krankenschwester des Verderbens in einem lauten, undefinierten Geräusch. Der bückenden Helmkamerafolgend findet sich die Quelle in einem unter den Füßen der Berserkerin zerstampften Kopfes
nun aber schleunigst zurück. Das eng spannende weiße Krankenschwester-Uniförmchen ist allseitig mit Blut verziert.
Deren Träger ist aber bereits aufgesprungen, um sich zurück zu dem kranken zu begeben, denn so eine Krankenschwester ist ja, neben der Tatsache, dass sie krank im Kopf ist, auch schwester
leise verhallen im Hintergrund die Sirenen, schmiegen sich polzeilich mit denen der Rettungswagen aneinander. Ein Meisterwerk in seinen Ausläufern
Stock krümmt sich noch lachend in seinen Schmerzen
er hat sich im Lachen erbrochen und in sein Bett gepinkelt
aber er muss zugeben, dass es sehr erleichternd war
Just in dem Moment springt seine Zimmertür wieder auf
Till die Krankenschwester steht dort, in Schweiß dampfend, ein breites Grinsen säumt sein von trockenem, dunkelrotem Blut besprenkeltes Gesicht
"Na, was sagst du Stock? Es wird dir gleich besser gehen, das versprach ich dir doch". Immernoch schnaufend setzt Till sich ans Bett und still in sich hineinkichernd kommen beide zur Ruhe und schlafen ein.
immernoch krank du armes bubu?
Le Moi
yes
aber seit gestern mittag auf antibiotikum
so n 3 tages ding
dürfte also zum WE fit sein
Le Till
hoffen wirs
sonst musste gepflegt werden
wenn du traurig oder einsam bist-> whatsappe nur eine Nachricht und ich werde dich erheitern
natürlich nicht so sehr wie es wahrscheinlich dein rieke die ganze Zeit schon tut, aber ein wenig vielleicht
und ein wenig "anders" vielleicht auch
Le Moi
so sweet
von dir nehme ich pflegeangebote in krankenschwesteroutfit natürlich ebenfall jederzeit an
Le Till
das ist, wie ich rolle!
yeaaha inkl pumps
schön paar wochen nirgendwo rasiert
mini-röcken
*chen
und wenn ich mich bücke, um dir Tee einzugießen, baumeln meine haarigen Eier unter dem Röckchen hervor
hell yeah
währenddessen schieße ich läser aus meinen nippeln
dann zieh ich mir die gopro auf. und steig auf dein Rad
nach 10 minuten schaltest du interessiert die live übertragung auf deinen laptop an
ich bin bereits bis zur Diesterwegschule gestratzt
du siehst, wie ich das Fahrrad hinschmeiße und haltlos und mit lautem, haarigem (?) schnaufen auf den Schulhof zurenne, auf dem sich gerade eine Gruppe herumtollender und nichtsahnender Diesterwegler über die rosarote Pausenzeit freut
im Kreis stehen sie, wie die Kamillenblütenformation der Pottwale, halten ihre Smartphones in ihre Mitte, und fragen sich, wieso Hafti noch nicht auf Platz 1 in den deutschen Singlecharts ist
als plötzlich ein dumpfes knacken ertönt
*TWACK*
liveschaltung Stock: so hatte er sich das kranksein nicht vorgestellt
Stock muss so sehr lachen, dass ihm seine Brust schmerzt. "Aua, ist das gut!", jauchzt stock
während er das linke auge weinend zukneift um die lachtränen aus seiner Sicht zu schwemmen, verfolgt er mit großem Interesse der Szenerie
Indes an der Diesterwegschule:
Der helle Aufprall eines Smartphone-Displays, bei dem gerade offensichtlich das Display auf dem Betonboden des schulhofes zerbrochen ist, lässt die Köpfe der pausierenden Meute zu sich drehen
was Stock über die GoPro Helmkamera sieht, ist nicht weniger erheiternd: das dumpfe Knacken nämlich, dass kam, wie nun zu sehen ist, eindeutig von dem Aufprall eines recht großen rechten Knies auf das Jochbein des 14-jährigen Justin-Michelangelo
Sein Gesicht verformt sich in luftiger Leichtigkeit, als grübe jemand seine spielende Faust in einen klumpen Ton
doch damit nicht genug
denn das auftaktende *TWACK* war nur ein Vorbote, auf das folgende Orchester, welches durch seine bizarr anmutende rhytmik an japanische Taiko-Trommler erinnert
Ellbogen der leicht bekleideten, aber ulkigerweise männlichen Krankenschwester treffen auf Nasenbeine, bringen Augenhöhlen zum bersten, ergötzen sich an knackenden Brustbeinen
ja, diese 14-jährigen Brustbeinchen brechen mit solcher unbefangenheit, als breche man eine Rippe aus einem halben Hähnchen
währenddessen untermalen dumpfere Basstöne die Komposition
die behaarten Beine tanzen sich mit Stopkicks auf den jungen Poserbäuchlein aus
ein Hungersixpack ist eben kein trainierter Sixpack
nackte Haut wirbelt umher, dazwischen freischwingende Klöten und ein uninteressiert daherbaumelnder Penis, den der viel zu kurze Rock ohne Unterwäsche bereitwillig freigibt
die heransausenden Sirenen deuten das Ende des walkürischen Ritts an
den Satz beendet die Krankenschwester des Verderbens in einem lauten, undefinierten Geräusch. Der bückenden Helmkamerafolgend findet sich die Quelle in einem unter den Füßen der Berserkerin zerstampften Kopfes
nun aber schleunigst zurück. Das eng spannende weiße Krankenschwester-Uniförmchen ist allseitig mit Blut verziert.
Deren Träger ist aber bereits aufgesprungen, um sich zurück zu dem kranken zu begeben, denn so eine Krankenschwester ist ja, neben der Tatsache, dass sie krank im Kopf ist, auch schwester
leise verhallen im Hintergrund die Sirenen, schmiegen sich polzeilich mit denen der Rettungswagen aneinander. Ein Meisterwerk in seinen Ausläufern
Stock krümmt sich noch lachend in seinen Schmerzen
er hat sich im Lachen erbrochen und in sein Bett gepinkelt
aber er muss zugeben, dass es sehr erleichternd war
Just in dem Moment springt seine Zimmertür wieder auf
Till die Krankenschwester steht dort, in Schweiß dampfend, ein breites Grinsen säumt sein von trockenem, dunkelrotem Blut besprenkeltes Gesicht
"Na, was sagst du Stock? Es wird dir gleich besser gehen, das versprach ich dir doch". Immernoch schnaufend setzt Till sich ans Bett und still in sich hineinkichernd kommen beide zur Ruhe und schlafen ein.
Mittwoch, 30. Januar 2013
Die leere Wodkaflasche
Sie stand neben ihr auf dem Tisch. Sie war kein Ersatz für
ihn, aber immerhin war sie da. Sie erinnerte sie an ihn, nicht nur der Form
wegen. Sie musste sich mit ihr beschäftigen. Dabei beschäftigte sie sich doch
beinahe ausschließlich mit ihm. Sie wäre ihr im Supermarkt nicht aufgefallen.
In der Menge sah sie aus wie jede andere. Doch nun hatte sie sie bei sich. Sie
war leer. Doch wovon eigentlich? Leer von Freude, die ihr Inneres doch stets zu
vermitteln vermochte? Oder leer von Leid, ausgelöst durch zu viel Kontakt zu
ihr? Sie blickte von oben auf sie herab. Etwas, das sie bei ihm nie tun könnte.
Sie betrachtete ihre Form, die Besonderheiten in ihrem Sein. Mit jeder
Veränderung ihres Blickwinkels, veränderte sich auch, was sie sah, die Bilder
um sie herum. Es war alles Realität und doch so variabel, dass es beinah fiktiv
wirkte. Die Realität verändern, das konnte sie ohnehin gut. Ob nun zum
Positiven oder Negativen, das spielte eine untergeordnete Rolle bei der
Faszination, die sie empfand. Wie war sie eigentlich hierhin gekommen? War es
Freude, oder war es Leid? Sie hatte sie geleert und den Verschluss danach
vergessen. Hatte es eine Bedeutung, dass er fehlte? Sie wusste, wo er sich
befand. Das war nie so ihr Ding. Ihr war klar: bald würde sie ihn brauchen.
Drehen sollte er sich. Er würde sie schließen. Die Fragen, was vorher war und warum,
bedeutungslos machen. Er war kein Ersatz für sie, aber immerhin war er da.
Freitag, 25. Januar 2013
Grüße
Nein, es soll nicht um die Grüße irgendwelcher Bekannten gehen, die ich regelmäßig irgendwelchen anderen Bekannten ausrichten soll. Die wären auch ein relativ langweiliges Thema, da sie nach dem simplen Schema "Gruß ausrichten, Gruß zurückausrichten" verlaufen.
Ich meine die Grüße, die man bspw. (möglicherweise fremden) Menschen auf der Straße entgegenbringt. In der Klinik, in der ich arbeite, grüße ich selber jeden Patienten. Dabei muss man sich wirklich konzentrieren, denn man will ja nicht ein und derselben Person drei Mal am Tag einen "guten Tag" wünschen. Den könnten sie zwar sicher gut gebrauchen, andererseits könnte bei ihnen auch eine gewisse Erwartungshaltung entstehen und sie würden sich mir gegenüber verpflichtet fühlen, einen guten Tag zu haben und Angst bekommen, mich zu enttäuschen, wodurch die Wahrscheinlichkeit, dass mein Wunsch, dass sie einen guten Tag erfahren, in Erfüllung geht, vermindert sein dürfte.
Interessant ist immer, welche Gefühle man selber im Moment empfindet und was man mit seinem empathischen Vermögen innerhalb weniger Sekunden in dem Gesicht und an dem nonverbalen Verhalten des zu Grüßenden zu erkennen vermag. Ich bin ein glücklicher Mensch und möchte, dass auch meine Mitmenschen glücklich sind. Also versuche ich, ihre Emotion schnell zu erfassen und ein kleines bisschen positiver zu spiegeln. Dabei gibt es aber gewisse Grenzwerte nach oben und nach unten, die nicht überschritten werden dürfen.
Auf einer Skala von 1 - 10, wobei 1 "extrem grimmig" und 10 "extrem euphorisch" darstellt, kann man sich das folgendermaßen vorstellen: begegnet mir gerade die erleichterte Patientin, die in ihrer ersten Gruppentherapie erfahren hat, dass nicht alle Männer in ihrem Leben sie schlagen und vergewaltigen wollen (also eine solide 7), grüße ich sie mit einer etwas positiveren 8. Kommt hingegen der überglückliche Patient, der denkt, alle seine Probleme seien nach einer Sitzung aus der Welt geschafft (also eine etwas weltfremde 10), dämpfe ich den Optimismus in meinem Gruß auf eine gutgewillte 8. Der niedergeschlagene Patientin, die nach ihrer ersten Sitzung denkt, keines ihrer Probleme lasse sich jemals lösen (mad propz an den Therapeuten, der eine traurige 1 zu verantworten hat), will man natürlich auch nicht mit gekünstelt wirkender, übertriebener Positivität vor den Kopf stoßen, weswegen sie eine neutrale 5 bekommt. Meine persönlichen Grenzwerte liegen also bei 5 (neutral; keine Lachmuskeln anspannen) und 8 (glücklich; Lachmuskeln soweit anspannen, dass man nicht das Gefühl von großem Aufwand hat und ein ehrliches Lächeln produziert). Selbstredend ist das auch abhängig davon, ob es mir gerade gut geht. Denn wenn mir selber nicht nach einer 8 ist, dann gebe ich die aus Authentizitätsgründen auch nicht aus. Damit müssen die glücklicheren Leute dann eben klarkommen. Das erscheint mir zu bewältigen zu sein.
Es ist schon eine Wissenschaft für sich. Natürlich kann man auch jedem Menschen eine 6 geben ohne sich großartig Gedanken zu machen. Man würde wohl im Alltag funktionieren und niemanden belästigen. Man muss sich ja nicht auf jede Person, die einem begegnet, einstellen, sich auch noch überlegen, wie man sich selber eigentlich gerade fühlt und hundertprozentig authentisch reagieren. Aber wenn man das nicht täte, wo bliebe dann der Spaß? In diesem Sinne wünsche ich viel Freude, aber nicht zu viel, beim zukünftigen Grüßen.
Guten Tag!
Ich meine die Grüße, die man bspw. (möglicherweise fremden) Menschen auf der Straße entgegenbringt. In der Klinik, in der ich arbeite, grüße ich selber jeden Patienten. Dabei muss man sich wirklich konzentrieren, denn man will ja nicht ein und derselben Person drei Mal am Tag einen "guten Tag" wünschen. Den könnten sie zwar sicher gut gebrauchen, andererseits könnte bei ihnen auch eine gewisse Erwartungshaltung entstehen und sie würden sich mir gegenüber verpflichtet fühlen, einen guten Tag zu haben und Angst bekommen, mich zu enttäuschen, wodurch die Wahrscheinlichkeit, dass mein Wunsch, dass sie einen guten Tag erfahren, in Erfüllung geht, vermindert sein dürfte.
Interessant ist immer, welche Gefühle man selber im Moment empfindet und was man mit seinem empathischen Vermögen innerhalb weniger Sekunden in dem Gesicht und an dem nonverbalen Verhalten des zu Grüßenden zu erkennen vermag. Ich bin ein glücklicher Mensch und möchte, dass auch meine Mitmenschen glücklich sind. Also versuche ich, ihre Emotion schnell zu erfassen und ein kleines bisschen positiver zu spiegeln. Dabei gibt es aber gewisse Grenzwerte nach oben und nach unten, die nicht überschritten werden dürfen.
Auf einer Skala von 1 - 10, wobei 1 "extrem grimmig" und 10 "extrem euphorisch" darstellt, kann man sich das folgendermaßen vorstellen: begegnet mir gerade die erleichterte Patientin, die in ihrer ersten Gruppentherapie erfahren hat, dass nicht alle Männer in ihrem Leben sie schlagen und vergewaltigen wollen (also eine solide 7), grüße ich sie mit einer etwas positiveren 8. Kommt hingegen der überglückliche Patient, der denkt, alle seine Probleme seien nach einer Sitzung aus der Welt geschafft (also eine etwas weltfremde 10), dämpfe ich den Optimismus in meinem Gruß auf eine gutgewillte 8. Der niedergeschlagene Patientin, die nach ihrer ersten Sitzung denkt, keines ihrer Probleme lasse sich jemals lösen (mad propz an den Therapeuten, der eine traurige 1 zu verantworten hat), will man natürlich auch nicht mit gekünstelt wirkender, übertriebener Positivität vor den Kopf stoßen, weswegen sie eine neutrale 5 bekommt. Meine persönlichen Grenzwerte liegen also bei 5 (neutral; keine Lachmuskeln anspannen) und 8 (glücklich; Lachmuskeln soweit anspannen, dass man nicht das Gefühl von großem Aufwand hat und ein ehrliches Lächeln produziert). Selbstredend ist das auch abhängig davon, ob es mir gerade gut geht. Denn wenn mir selber nicht nach einer 8 ist, dann gebe ich die aus Authentizitätsgründen auch nicht aus. Damit müssen die glücklicheren Leute dann eben klarkommen. Das erscheint mir zu bewältigen zu sein.
Es ist schon eine Wissenschaft für sich. Natürlich kann man auch jedem Menschen eine 6 geben ohne sich großartig Gedanken zu machen. Man würde wohl im Alltag funktionieren und niemanden belästigen. Man muss sich ja nicht auf jede Person, die einem begegnet, einstellen, sich auch noch überlegen, wie man sich selber eigentlich gerade fühlt und hundertprozentig authentisch reagieren. Aber wenn man das nicht täte, wo bliebe dann der Spaß? In diesem Sinne wünsche ich viel Freude, aber nicht zu viel, beim zukünftigen Grüßen.
Guten Tag!
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